Japanisch lernen von null: die Reihenfolge, die funktioniert

Gute Nachricht für Deutschsprachige: die japanischen Laute sind kaum ein Problem. Schlechte Nachricht: die Reihenfolge, in der fast alle anfangen, ist falsch.

Japanisch gilt als unbezwingbar, und in einem Punkt stimmt das für Deutschsprachige nicht: bei den Lauten. Die fünf japanischen Vokale entsprechen fast genau unseren, während Englischsprachige daran monatelang arbeiten. Mit diesem Vorsprung fängst du an.

Wo Leute wirklich stecken bleiben, ist die Reihenfolge.

Zuerst Hiragana, und zwar in drei Tagen

Diesem Rat widerspricht niemand, und fast alle schieben ihn auf. Japanisch in Rōmaji zu lernen heißt, eine Treppe zu bauen, die man später abreißen muss: Dein Kopf koppelt den Laut an lateinische Buchstaben, und diese Kopplung musst du danach wieder lösen.

Hiragana sind 46 Zeichen mit einer Rasterlogik: ein Konsonant plus einer von fünf Vokalen. Sobald die Vokalreihe sitzt, ist ka ki ku ke ko ein Muster und keine fünf neuen Bilder. Zehn Reihen, fünf Minuten pro Reihe, zwei Einheiten am Tag — nach drei Tagen liest du. Langsam, aber du liest.

Die Hiragana-Tabelle mit Ton auf dieser Seite hat zu jedem Zeichen die aufgenommene Aussprache; danach kommen die Katakana, dasselbe System in anderen Formen, unverzichtbar für alle Lehnwörter aus dem Englischen.

Kanji greift man nicht frontal an

Der klassische Fehler: eine Liste mit 2 136 Kanji öffnen und bei Nummer eins beginnen. Niemand kommt damit durch.

Was funktioniert, ist Kanji zu Wörtern zu lernen, die du schon sagen kannst. Kennst du das Wort mündlich, ist das Zeichen eine Schublade dafür; kennst du es nicht, ist es eine abstrakte Zeichnung ohne Haken. Wortschatz kommt also vor Kanji, nie umgekehrt.

Fang viel früher an zu sprechen, als du denkst

Die Regel, die wir jedem sagen: Sobald du Hiragana liest, kannst du Gespräche führen. Du musst weder die Grammatik noch das N5 noch sonst etwas abgeschlossen haben.

Der Grund ist derselbe wie bei jeder Sprache: Produzieren ist eine eigene Fähigkeit und wird eigens trainiert. Wer wartet, bis er „bereit“ ist, kommt mit viel Grammatik und untrainiertem Mund an — genau das Profil der Person, die seit fünf Jahren lernt und noch keinen Satz gesagt hat.

Du kannst hier direkt ein japanisches Gespräch öffnen und auf L1 stellen: kurze Sätze, Grundwortschatz, Übersetzung darunter und Furigana über jedem Wort — damit ist jedes Gespräch zugleich Leseübung.

Partikel lernt man im Kontrast

は, が, を, に, で: Hier hört Japanisch auf, eine Wortliste zu sein, und wird Grammatik.

Definitionen nachzuschlagen hilft wenig, weil sie sich überlappen. Was hilft, ist dasselbe Substantiv mit verschiedenen Partikeln zu sehen und den Satz kippen zu spüren: 学校行きます (ich gehe zur Schule) gegen 学校勉強します (ich lerne in der Schule). Dieser Kontrast erklärt in zehn Sekunden, was eine Definition auf einer ganzen Seite nicht schafft.

Höflichkeitsformen: fang einfach an

Japanisch wechselt die Form je nach Gegenüber, und das schreckt anfangs ab. Praktisch gilt: Beginn mit です/ます und lass es dabei. Das ist höflich, passt bei Fremden und beleidigt niemanden. Die schlichte Form und Keigo kommen, wenn dein Ohr den Unterschied hört.

Ein realistischer Dreimonatsplan

Woche 1: Hiragana und Katakana mit Audio. Woche 2 bis 4: die ersten 300 Wörter, immer im Beispielsatz, und dein erstes Gespräch, sobald du Kana liest. Monat 2 und 3: täglich ein kurzes Gespräch und Kanji nur zu Wörtern, die du schon sprichst.

Nach diesen drei Monaten sprichst du kein fließendes Japanisch. Aber du kannst im Restaurant bestellen, dich vorstellen, nach dem Weg fragen und die Antwort verstehen — deutlich mehr, als die meisten nach einem Jahr reiner Grammatik erreichen.

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